Motoröl Spezifikationen: Eigenschaften vergleichen

Warum Motoröle verschiedene Eigenschaften haben

Motoröle kann man gut mit Cocktails vergleichen: Sie sind eine Mischung aus verschiedenen Flüssigkeiten, die ganz unterschiedlichen Zwecken dienen und bei beiden ist das richtige Mischungsverhältnis ausschlaggebend. Die jeweiligen Anforderungen bestimmen sowohl die Art der Zutaten als auch die Menge. Beim Cocktail lauten die Fragen: süß oder sauer, fruchtig oder cremig, viel Umdrehungen oder nur leicht beschwipst?

Beim Motoröl steht der „Mixer“ vor der Herausforderung, sieben Eigenschaften unter einen Hut zu bringen, die sich nicht unbedingt miteinander vertragen. Deshalb gibt es in Europa zum einen die ACEA-Spezifikationen, zum anderen legen auch die Autohersteller wie etwa VW, BMW oder Mercedes in ihren Motoröl-Spezifikationen (Freigaben) fest, wie wichtig ihnen die einzelnen Eigenschaften des Öls für ihre Fahrzeuge sind:

  • Schutz vor Ölverdickung
  • Schutz vor Verschleiß
  • Geringer Kraftstoffverbrauch
  • Verhinderung von Ölschlamm
  • Schutz vor Kolben-Ablagerungen
  • Schutz vor oxidativer Eindickung
  • Eignung für Fahrzeuge mit Abgasnachbehandlung

Hat der Autobauer die Prioritäten festgelegt, können die Ölhersteller anhand der Vorgaben aus den Grundölen sowie den verschiedenen Additiven das Motoröl mischen. Wie unterschiedlich die Ergebnisse ausfallen können, zeigt z.B. der Vergleich zwischen den Hersteller-Spezifikationen VW 50700 und Porsche A40:

Motoröl Spezifikationen Vergleich VW 50700 Porsche A40

Die Werte stellen einen relativen Vergleich zwischen den Motoröl-Spezifikationen der Autohersteller dar.


Porsche scheint bei der Spezifikation A40 mehr Wert auf die Leistungsfähigkeit auch in Grenzbereichen (Kolbenablagerungen) und weniger auf Kraftstoffersparnis zu legen. Die VW Norm 50700 (äquiv. Porsche C30) zeigt sich ausgeglichener und stellt unter anderem auf die längere Verwendbarkeit des Öls (Longlife) ab.

Ölverdickung (durch Ruß)

Schlechte Kraftstoffverbrennung kann zur Bildung von kleinen, kohlenstoffhaltigen Partikeln (Ruß) führen. Ruß bildet sich sehr viel häufiger in Diesel- als in Benzinmotoren. Wenn der Ruß nicht aufgelöst wird, setzt er sich zu immer größeren Partikeln zusammen. Dadurch kann sich die Viskosität des Öls erhöhen und infolgedessen der Motorverschleiß zunehmen. In extremen Fällen kann Ruß feine Kanäle im Motor und Ölfilter zusetzen (blockieren), was zu Ölmangel führt. Um der Ölverdickung durch Ruß gegenzusteuern werden den Motorölen Dispersanten zugesetzt.

Obwohl Ölverdickung durch Ruß primär ein Problem von Dieselmotoren ist, lässt sich dort bei modernen Autos mit Partikelfilter ein erstaunliches (und ebenfalls höchst problematisches) Phänomen beobachten: Die Ölverdünnung bei Dieselmotoren mit DPF.

Abrieb / Verschleiß

Eine der wichtigsten Funktionen des Motoröls ist es, den Abrieb im Motor zu reduzieren. Wenn sich bewegende Metallteile in Kontakt kommen, werden sie beschädigt – sie verschleißen. Mit zunehmendem Verschleiß kann die Motorleistung nachlassen, bis zu dem Punkt, wo der Motor gar nicht mehr funktioniert. Verschleiß kann überall im Motor auftreten, wo sich Metallteile bewegen. Extrem hoher Druck erhöht den Verschleiß zusätzlich, so zum Beispiel im Ventiltrieb, in Lagern oder zwischen Zahnrädern. Verschleißschutz-Additive sollen gerade im Bereich der Mischreibung den Verschleiß reduzieren.

Kraftstoffverbrauch

Um die umweltschädlichen CO2- (Kohlendioxid-) Emissionen zu senken, müssen Motorenöle dazu beitragen, den Kraftstoffverbrauch zu senken. Die Kraftstoffersparnis wird in der Regel durch die Verwendung von Ölen mit niedrigerer Viskosität sowie dem Einsatz von Reibkraftminderern erreicht.

Ölschlamm

Während die Bildung von Rußpartikeln primär ein Problem von Dieselmotoren ist, müssen Benziner mit dem Ölschlamm fertig werden. Dieser Ölschlamm setzt sich zusammen aus Rückstanden, die entstehen, wenn Benzin nicht vollständig verbrannt wird sowie durch die teilweise Oxidation des Schmiermittels. Die dabei gebildeten Stoffe verklumpen und bilden den Ölschlamm. Dieser kann feine Kanäle im Motor oder dem Filter verstopfen und so die Leistungseinbußen und Ölmangel führen. Der Ölschlamm wird mit Dispersanten bekämpft.

 

Ablagerungen am Kolben

Während des Vebrennungsvorgangs werden im Brennraum des Motors Temperaturen von mehreren hundert Grad Celsius erreicht. Dadurch bilden sich hoch reaktive Substanzen, die sich am Kolben ablagern. Wenn man die Bildung der Ablagerungen nicht verhindert, können diese dazu führen, dass heiße Verbrennungsgase in das Kurbelwellengehäuse strömen. Dabei wird die Schmierfähigkeit des Motoröls stark beeinträchtig und der Motor gefährdet. Der Bildung solcher Ablagerungen beugt man mit Detergentien vor.

Oxidative Eindickung

Motoröl ist während des Betriebes hohen Temperaturen ausgesetzt und kommt mit hoch reaktiven und oxidativen Stoffen in Kontakt, die durch die Verbrennung entstehen (siehe auch „Kolbenablagerungen“). Wird die Oxidation des Öls nicht verhindert, erhöht sich die Viskosität durch die Anreicherung polarer Stoffe. Ab einem bestimmten Sättigungsgrad wird das Motoröl zu dick und kann nicht mehr durch den Motor gepumpt werden. Folge: Motorschaden. Antioxidantien verhindern diese Eindickung des Motoröls.

Eignung Abgasreinigung/Abgasnachbehandlung

Um die strenger werdenden Emissionsanforderungen zu erfüllen, setzen viele Autohersteller auf Abgasnachbehandlungssysteme (Katalysator, DPF, etc) Die Wirkung dieser Anlagen kann durch Inhaltsstoffe des Motoröls, die bis in die Abgasanlage gelangen, beeinflusst werden. Damit es zu keinen Beeinträchtigungen kommt, wurden für einige Öl-Inhaltsstoffe Grenzwerte festgesetzt. Die Reduzierung von Schwefel, Phosphor sowie chemische Bestandteilen, die zu hohen Schwefelkonzentrationen in der Asche führen, erhöht die Eignung des Öls für entsprechend ausgerüstete Fahrzeuge.

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