RDKS: Kaufen, Kosten, Sensoren & Tipps

Was ist RDKS?

RDKS ist die Abkürzung für Reifendruckkontrollsystem.
Das RDKS überwacht den Reifendruck der (vier) Reifen eines Fahrzeuges direkt oder indirekt und warnt den Fahrer, wenn der Druck in einem oder mehrer der Reifen vom Sollwert abweicht.

Es gibt in der EU inzwischen eine RDKS-Pflicht für Neufahrzeuge. Böse Zungen behaupten, das diene nur den Reifenhändlern und Autowerkstätten als neue Einnahmequelle, da gerade direkte Reifendruckkontrollsysteme einige Folgekosten nach sich ziehen.

Aber: In erster Linie dient ein RDKS der Sicherheit, denn ein nicht unerheblicher Anteil der Verkehrsunfälle hängt direkt (z.B. Reifenplatzer) oder indirekt (z.B. Schleuderverhalten/Bremsweg) mit falschen Reifendruck zusammen. Zudem führt ein zu niedriger Reifendruck zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch und schnellerer Abnutzung – kostet also Geld und schadet der Umwelt. Da aber nur wenige Autofahrer regelmäßig selbst den Reifendruck prüfen, ist ein RDKS ein absolut sinnvolles System für mehr Sicherheit und geringeren Kraftstoffverbrauch.

Unterschied RDKS und TPMS?

Es gibt keinen. TPMS ist ganz einfach der englische Ausdruck für RDKS.
Reifendruckkontrollsystem heißt auf englisch Tire Pressure Monitoring System. Manche Auto- und Zubehörhersteller verwenden einfach gerne die englische Abkürzung 🙂

Unterschied direktes/indirektes RDKS

Ein direktes RDKS misst den Luftdruck und die Temperatur mit speziellen Sensoren in jedem Reifen – meist am Ventil. Die Daten werden von jedem Sensor an den Bordcomputer per Funk – deswegen haben die Sensoren eingebaute Batterien – übermittelt und im Display des Autos angezeigt.
Ein indirektes RDKS hat keine speziellen Reifensensoren, sondern nutzt die Informationen, die vom ABS und ESP sowieso ermittelt werden.
Übrigens: Die Begriffe aktives/passives RDKS, die manchmal verwendet werden, sind etwas irreführend – korrekt ist direkt/indirekt.

Pro & Contra:  RDKS direkt/indirekt

  • Direktes RDKS
    • Präzise Informationen für jeden einzelnen Reifen
    • Kann nachgerüstet werden
    • Relativ hohe Folgekosten (zusätzl. Sensoren für zweiten Winter-Rädersatz, Werkstattkosten für: Sensoren anlernen & Reifenwechsel, Batterielebensdauer der Sensoren)
    • Höherer Wartungsaufwand, meist durch Fachwerkstatt (Montieren, Programmieren, Anlernen)
    • Benötigt keine Initialisierung nach Luftnachfüllen oder Rädertausch
    • Sensoren können bei unsachgemäßer Reifenmontage beschädigt werden
    • Liefert auch Werte bei stehendem Fahrzeug
  • Indirektes RDKS
    • Keine exakten Werte pro Reifen
    • Mögliche Ungenauigkeiten bei unterschiedlich abgefahrenen Reifen
    • Kann nicht nachgerüstet werden
    • Keine/kaum Folgekosten
    • Geringerer Wartungsaufwand
    • Liefert nur Werte bei fahrendem Fahrzeug
    • Muss nach jedem Luftauffüllen und Räderwechsel initialisiert werden (das ist aber mit einem Knopfdruck erledigt.)

Wie funktioniert ein indirektes RDKS?

Ein indirektes Reifendruckkontrollsystem benötigt keine speziellen Sensoren an jedem Reifen, sondern nutzt die Daten des Antiblockiersystems (ABS) und des elektronischen Stabilitätsprogrammes (ESP, oder engl. ESC).
Die Idee dahinter ist genauso schlau wie simpel: Bläst man viel Luft in einen Luftballon und erhöht so den Druck, wird er größer. Lässt man die Luft heraus, wird sein Umfang wieder kleiner. Genauso ist es beim Autoreifen. Jetzt kommt der Trick:

Indirektes RDKS Reifenumfang LuftdruckEin Reifen legt pro Umdrehung – abhängig von seinem Umfang – eine bestimmte Strecke zurück. Fängt er an, sich im Vergleich zu den anderen Rädern schneller zu drehen – diese Daten kommen vom ABS & ESP – dann weiß man, dass der Reifen „kleiner geworden ist“, also Luft verloren hat. Er muss sich schneller drehen, damit er genausoviel Strecke zurücklegen kann, wie die „größeren“ Reifen mit dem korrekten Luftdruck. In diesem Fall meldet das RDKS „Reifendruck zu niedrig“.

RDKS Reifendruckkontrollsystem Meldung

Foto: Audi AG

Neben der Drehgeschwindigkeit der Räder misst das indirekte RDKS zusätzlich die Schwingung an Reifengürtel und Felge jedes Rades. Jedes Rad hat – auch bei korrekt ausgewuchteten Rädern – eine ganz individuelle Eigenschwingung, die sich abhängig vom Reifendruck ändert.  So würde das indirekte Reifendruckkontrollsystem auch im – zugegeben seltenen – Fall des gleichzeitigen Druckverlustes an allen Reifen eines Fahrzeuges Alarm schlagen.

 

RDKS leuchtet – was tun?

RDKS leuchtet LampeWenn die RDKS-Anzeige leuchtet, ist der Reifendruck in einem oder mehreren Reifen zu niedrig. Fahren Sie dann bitte direkt zu einer Tankstelle oder Autowerkstatt und überprüfen Sie alle Reifen auf Beschädigungen und auf den korrekten Druck. Füllen Sie gegebenenfalls Luft nach, bis der korrekte Druck erreicht ist.
Welcher Druck (abhängig von den Reifendimensionen und der Beladung des Fahrzeuges) korrekt ist, sehen in der Betriebsanleitung.
Die Reifendrucktabelle findet sich zudem fast immer als Aufkleber an der Fahrertür (schmale Seite zur B-Säule),  direkt an der B-Säule oder im Tankdeckel.
Leuchtet die RDKS-Warnlampe danach trotzdem weiter, lassen Sie das System bitte in einer Fachwerkstatt überprüfen.
Mögliche Ausnahme: Wenn Sie bei einem indirekten RDKS (bevor die RDKS-Leucht anging), die Räder gewechselt haben – z.B. Sommer/Winter – oder den Reifendruck selbst verändert haben, ohne danach den neuen Druck im Systemmenü zu bestätigen (initialisieren), kann auch das der Grund für die Warnmeldung sein.

Habe ich direktes oder indirektes RDKS?

Zeigt Ihr Fahrzeug den Luftruck in bar/psi und vielleicht sogar die Temperatur für jeden einzelnen Reifen im Display an, haben Sie mit ziemlicher Sicherheit ein direktes RDKS.  Steht in der Reifendruck-Anzeige, kurz nachdem Sie die Zündung eingeschaltet haben,  lediglich „OK“, ist es sehr wahrscheinlich ein indirektes Reifendruckkontrollsystem.
Im Zweifel gilt: Fragen Sie bitte direkt beim Hersteller oder in der Fachwerkstatt nach, denn leider gibt es noch keine wirklich gute Übersicht.

RDKS Nachrüsten

Grundätzlich: Wenn Ihr Fahrzeug nicht unter die RDKS-Pflicht fällt, müssen Sie es auch nicht nachrüsten. Wenn Sie, wie die meisten Autofahrer, nicht regelmäßg eine Reifendruckkontrolle machen, ist ein RDKS auf jeden Fall eine sinnvolle Investition. Entscheiden müssen Sie das natürlich selbst. Eine pragmatische und kostenlose Variante wäre vielleicht, sich anzugewöhnen, den Reifendruck nach jedem Tanken oder zumindest jedes zweite Wochenende zu prüfen.

Im Gegensatz zu den indirekten Reifenkontrollsystemen, kann man direkte RDKS nachrüsten. Dafür gibt es komplette Sets. Das nachgerüstete RDKS muss eine Betriebserlaubnis oder Typgenehmigung haben. Wenn Sie ein RDKS freiwillig einbauen, darf dieses im Gegensatz zu den verpflichtenden Systemen auch deaktivierbar sein.

RDKS Pflicht

Seit dem 1.11.2012 müssen alle verkauften neu typengenehmigten Fahrzeuge der Klassen M1 und M1G mit einem RDKS, das der ECE-R 64  entspricht, ausgestattet sein.
Hinweis: Das Datum einer Neutypisierung ist im Fahrzeugschein leider nicht erkennbar, da das Feld „A6 Genehmigungsdatum“ im Zulassungsschein nicht das Datum der Neutypisierung ist. Hier hilft nur die Nachfrage beim Hersteller, Händler oder der Fachwerkstatt.

Ab dem 1.11.2014 müssen alle neu zugelassenen Fahrzeuge dieser Klassen mit einem RDKS ausgestattet sein.
Hinweis: Das Zulassungsdatum Ihres Fahrzeuges finden Sie in Feld „B Erstmalige Zulassung“ im Zulassungsschein.

Eine Nachrüstung älterer Fahrzeuge ist nicht erforderlich.

Zu den Fahrzeugklassen M1 und M1G zählen Fahrzeuge zur Personenbeförderung mit höchstens acht Sitzplätzen außer dem Fahrersitz – also PKW, Wohnmobile und Geländewagen.

Die RDKS-Pflicht beruht auf der EU-Verordnung 661/2009 vom 13. Juli 2009 und gilt somit in Deutschland sowie allen anderen Ländern der europäischen Union. Neben europäischen Ländern haben z.B. auch die USA eine RDKS-Pflicht – dort schon seit 2007.

Übrigens: Ein Ersatzreifen oder Notrad, das nur kurzfristig zum Einsatz kommt, benötigt keinen RDKS-Sensor.

RDKS Pflicht Wohnmobil

Die EU-Verordnung zur RDKS-Pflicht sieht in Abschnitt G eine Ausnhameregelung für Fahrzeuge mit mehr als 2,5 t zulässigem Gesamtgewicht vor: Ist so ein ein Fahrzeug (Wohnmobil) in einem mehrstufigen Verfahren typgenehmigt (homologiert) worden, können die Anforderungen des Basisfahrzeugs genutzt werden.

Beispiel: Basiert das Wohnmobil auf einem Basisfahrzeug wie dem Fiat Ducato oder Mercedes Sprinter, also auf einem Transporter oder Leicht-LKW, gilt die RDKS-Pflicht (noch) nicht. Das Basisfahrzeug ist nämlich in der Typklasse N1 bis N3. Die EU-Verordnung gilt aber nur für M1/M1G.

Basiert das Wohnmobil aber auf z.B. einem VW Caddy, dem Renault Kangoo oder einem schwereren Fahrzeug, das von Anfang an (einstufig) in der Klasse M1 typgenehmigt wurde, wie z.B. VW California oder Ford Nugget, dann gilt hier die RDKS-Pflicht – wenn das Fahrzeug die oben genannten Datumsgrenzen fällt.

RDKS Sensor kaufen

RDKS Sensor

RDKS-Sensor Schrader

Wenn Sie einen zweiten Rädersatz z.B. mit Winterreifen kaufen, benötigen Sie bei einem direkten RDKS auch dafür RDKS-Sensoren. Es sei denn, Sie lassen jedesmal die Winterreifen/Sommerreifen auf die gleichen Felgen montieren, was nicht besonders ratsam ist:
Abgesehen von den Montagekosten werden Reifen und Felgen bei jeder Montage belastet und die Sensoren können bei „unvorsichtiger Behandlung“ kaputt gehen.

Bonustipp: Wenn ein Reifenwechsel beim Reifenhändler/Werkstatt ansteht, machen Sie kurz zuvor noch ein Handyfoto, dass die Druckwerte der Reifen im Fahrzeug-Display ohne Warnmeldung zeigt. Das hilft enorm bei der (möglichen) Diskussion, wann der Sensor seinen Dienst aufgegeben hat…

Zudem haben RDKS-Sensoren mit ihrer fest verbauten Batterie nicht das ewige Leben (ca. sechs bis zehn Jahre; echte Erfahrungswerte fehlen hier noch), sodass Sie als Ersatz hin und wieder neue RDKS-Sensoren kaufen müssen. Die bekanntesten Hersteller von RDKS-Sensoren sind Schrader, Continental, Alligator, Beru/HUF, TRW, Pacific und Lear.

Wenn Sie einen neuen RDKS-Sensor kaufen, müssen Sie entscheiden, ob Sie einen Original- (also vorprogrammierten) oder einen programmierbaren Sensor haben möchten.
Bedenken Sie vor dem Kauf von programmierbaren RDKS-Sensoren bitte, dass Sie event. auch ein Programmiergerät erwerben müssen – außer Sie lassen die Programmierung durch eine Werkstatt vornehmen.

RDKS Sensor Kosten

Original-Sensoren kosten als Satz (vier Stück) ca. 200 Euro.
Universal-Sensoren kosten als Satz (vier Stück) ca. 130 Euro – ein einzelner also etwa 35 Euro (im Onlinehandel).

Ob der Kauf von gebrauchten Sensoren sinnvoll ist, kann nicht pauschal beantwortet werden. Ohne Diagnosegerät lässt sich über den wahren Zustand des Sensors auf die Schnelle keine echte Aussage treffen.

Es gibt zwei Typen von Sensoren:

  • Original-Sensoren sind bereits mit den notwendigen Fahrzeugdaten programmiert (die Programmierung in der Werksatt entfällt damit). Sie können aber nur in dem dafür vorgesehenen Auto eingesetzt werden.
  • Unviversal-Sensoren sind nicht programmiert. Um sie in Betrieb zu nehmen, benötigt man ein Programmierwerkzeug (ab ca. € 500) oder lässt das in einer Werkstatt erledigen. Mit dem Programmiergerät (z.B. von Bartec) werden zunächst technischen Daten des Fahrzeugs abgefragt und die Position des Reifens, in dem sich der zu programmierende Sensor befindet (z.B. hinten links), bestimmt.Danach wird der Originalsensor vom Programmiergerät erkannt (je nach Software z.B. durch Eingabe der Sensor-ID oder automatische durch Auflegen des Originalsensors) und die gesammelten Daten werden zur Programmierung des neuen Sensors genutzt. Der Originalsensor wird sozusagen „kopiert“. Sollte kein alter Originalsensor zur Verfügung stehen, kann über das Programmierwerkzeug auch eine neue Sensor-ID generiert werden.

RDKS Sensor anlernen

Nach der Programmierung eines RDKS Universal-Sensors muss dieser „angelernt“ werden. Dabei wird sichergestellt, dass das Auto den Sensor erkennt und der Sensor die richtigen Daten liefert. Dafür müssen die Sensoren des Empfängers in der RDKS-Steuerung  aktiviert werden, falls eine neue Sensor-ID verwendet/erstellt  wurde oder die ursprüngliche Radposition des Sensors verändert wurde (Rädertausch).

Es gibt drei unterschiedliche Arten, wie RDKS-Sensoren angelernt werden – abhängig vom Fahrzeug:

  • Selbstanlernen des Autos: Bei einer 10-minütigen Fahrt 35-100km/h erkennt das Fahrzeug den Sensor automatisch und verbindet sich. Die Warnleuchte erlischt von selbst. Diese Art des Sensor-Anlernens gibt es u.a. bei Mercedes, Opel, VW, Ford, Mazda, Hyundai.
  • Manuelles Anlernen über das Fahrzeugmenü: Die Beschreibung dazu steht im der Betriebsanleitung des Autos.  Diese Methode gibt es. u.a. bei Audi, Mercedes, BMW und Porsche.
  • Anlernen über Programmier-Werkzeug: Die RDKS-Sensoren werden durch eine Verbindung  zwischen dem Programmier-Werkzeug und der OBD-II Schnittstelle angelernt. Das ist u.a. bei Autos von Renault, Citroen, Peugeot, Nissan, Opel, Fiat und Lancia der Fall.
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4 Antworten zu "RDKS: Kaufen, Kosten, Sensoren & Tipps"

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