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Darum solltest du dein Motoröl warm prüfen

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie oft ich die Frage, ob man das Motoröl besser warm oder kalt prüft schon beantworten musste. Die Antwort bleibt immer gleich: Messe deinen Ölstand warm, außer das Bedienungshandbuch sagt explizit etwas anderes, was selten der Fall ist. Damit das Öl warm ist, also Betriebstemperatur hat, reicht es übrigens nicht, wenn der Motor 10 Minuten im Stand gelaufen ist – mehr dazu gibt’s im Artikel. Statt mit Meinungen werde ich hier mit Fakten arbeiten. Los geht’s.

Das Volumen von Motoröl ändert sich mit seiner Temperatur

Jetzt kannst du endlich mal mit deinem Chemie- und Physik-Wissen – im speziellen der Thermodynamik – aus der Schulzeit glänzen: Flüssigkeiten ändern ihr Volumen in Abhängigkeit von ihrer Temperatur. Generell gilt: Erhitzt man eine Flüssigkeit, dehnt sich sich aus.

Funfact: Keine Regel ohne (kuriose) Ausnahme: Zwischen 0 °C und knapp 4 °C zieht sich Wasser zusammen, noch krasser ist dieser Effekt namens Dichteanomalie übrigens bei Zirconiumwolframat.

Jetzt lass uns mal ein bisschen rechnen. Motoröl dehnt sich also aus, wenn man es erwärmt. Der sogenannte (Raum-) Ausdehnungskoeffizient sagt, um wieviel es sich ausdehnt, wenn sich seine Temperatur um 1 °C bzw. 1 Kelvin erhöht.

Der Ausdehnungskoeffizient ? von Motoröl beträgt etwa 0,0007 K-1. Vollsynthetische Öle (PAO) dehnen sich zwar nicht ganz so stark aus wie Mineralöle, das Additiv-Paket dagegen wieder etwas mehr, doch für unsere Rechnung macht das keinen großen Unterschied.

Mit folgender Formel (wir gehen – wissenschaftlich nicht absolut korrekt – für die Praxis aber geeignet von einer linearen Steigerung aus) berechnen wir jetzt, um wieviel sich das Volumen des Motoröls (ca. 9 Liter) eines schnittigen BMW 550i (F10 / F11) ändert, wenn er bei einer Außentemperatur von 15 °C auf die Betriebstemperatur von 100 °C kommt.

Ausdehnungskoeffizient Motoröl
Lineare Expansionsformel
  • Das Ölvolumen beträgt 9 Liter
  • Die Temperaturänderung beträgt 100 °C – 15 °C = 85 K
  • Der Ausdehnungskoeffizient liegt bei 0,0007 K-1
  • Rechnung: 9 l * 0,0007 1/K * 85 K = 0,5355 l

Das Ölvolumen ist durch den Temperaturanstieg von 15 °C auf 100 °C um 0,5355 Liter gestiegen – also einen guten halben Liter. Zugegeben, der 550i hat schon einen großen Motor, aber zu vernachlässigen ist die Volumenänderung – anders als in manchen Foren behauptet – eben nicht.

Und warum ist das jetzt relevant? Angenommen, Kollege Gasfuß hätte jetzt keinen F10, der den Motorölstand rein elektronisch per Bordcomputer prüft, sondern ein älteres Modell mit Ölmessstab, könnt er sich ganz schön vermessen und irrtümlich zu viel Öl nachfüllen.

Der Hersteller weiß, was er tut – schau also bitte in dein Bordhandbuch

BMW möchte beispielsweise, dass man den Ölstand bei Betriebstemperatur misst, also nach einer Fahrt von mindestens 10 Kilometern. Dementsprechend sind auch die Min und Max-Markierungen auf dem Peilstab für warmes Öl „kalibriert“. Nahezu alle deutschen Hersteller sprechen in ihren Bedienungsanleitungen von „betriebswarmen“ Zustand. Ich habe dir mal ein paar Ausschnitte aus den Anleitungen von BMW, VW, Mercedes usw. zusammengestellt.

Es gibt wohl Hersteller bzw. Modelle, bei denen das Motoröl in kaltem Zustand gemessen werden soll. Ich habe aber aktuell keine Beispiele dafür. Wenn du eine Bedienungsanleitung hast, die die Messung in kaltem Zustand verlangt, schreib mir gern in die Kommentare, um welches Modell es sich handelt. Das wäre für alle Leser interessant.

Herstelleranleitung: Motoröl in betriebswarmen Zustand messen.
Mercedes erwähnt in seiner Anleitung einen wichtigen Punkt: Vor dem Messen soll man rund 30 Minuten warten, wenn der Motor nur kurz gestartet wurde. Das ergibt natürlich Sinn, wenn man folgendes Szenario betrachtet: Du fährst im Winter mit deinem Diesel nur mal kurz zur zwei Kilometer Tanke, um Kippen zu holen eine Zeitschrift zu kaufen. Das Motoröl, das vorher schön in der Ölwanne zusammengelaufen war, ist nun wieder im Motor verteilt. Wenn du jetzt den Ölstand prüfst, hatte das immer noch relativ kalte Öl keine Zeit sich wieder zu sammeln und du bekommst ein falsches Messergebnis.

Was bedeutet „betriebswarmer Motor“?

Wenn du 10 Kilometer am Stück gefahren bist (Stop-and-Go in der Stadt zählt nicht) sollte dein Motor betriebswarm sein und die Öltemperatur etwa 80 °C oder mehr betragen. Das ist auch die Fahrstrecke, die BMW nennt. Im Winter und speziell, wenn du einen Diesel mit großem Hubraum fährst, dürfen es gerne ein paar Kilometer mehr sein.

Welche Temperatur dein Motor hat, ist für dich als Fahrer ohne technische Spielereien (ODB-Stecker / App) heutzutage nur schwer bis gar nicht zu erkennen. Abgesehen davon gibt es nicht „die eine“ Motortemperatur, sondern die Kühlmittel- und die Öltemperatur.

In älteren Autos gab es dafür oft separate Instrumente mit Celsius-Skala. Bei modernen Fahrzeugen wird manchmal lediglich zwischen „Warm-up“-Phase und „Betriebstemperatur erreicht“ unterschieden, in einigen (sportlichen) Modellen kann man sich per Menüeinstellungen sowohl Kühlmittel – als auch Öltemperatur anzeigen lassen.

Gut zu wissen: Das Kühlmittel erwärmt sich nach dem Start deutlich schneller als das Motoröl. So kann die Wassertemperatur bereits auf 70 °C gestiegen sein, während das Öl noch bei entspannten 40 °C liegt.

Artikelbild: Eigene Fotos, mit Unterstützung von KI generiert.
Weitere Bilder: Bedienungsanleitungen von VW, Audi, Opel, Mercedes, BMW

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