Wenn du auf einen Link klickst und etwas kaufst, können wir eine kleine Provision erhalten. Mehr dazu.

AdBlue-Ticker 2026

UPDATE 08. Februar 2026 (15.05 Uhr)

AdBlue-Fehler nur ein Vorwand? Wie Trumps Umweltbehörde Schritt für Schritt den Clean Air Act demontiert

Stolz berichtet Lee Zeldin, Chef der US-Umweltbehörde EPA, dass man sich noch besser um die Sorgen der heimischen Landwirte, Bus-Unternehmen und LKW-Fahrer kümmern will. Die seien nämlich massiv von Systemausfällen der auch in den USA eingesetzten Abgasnachbehandlung mittels AdBlue betroffen. Die in Amerika als DEF (Diesel Exhaust Fluid) bekannte Harnstofflösung soll per SCR-Kat gefährliche Stickoxide im Abgas reduzieren. Von „…verlorenen Tagen auf der Straße und auf dem Feld…“ spricht die EPA. Sicherheit und Produktivität seien gefährdet. Es klingt fast so, als hätte AdBlue die amerikanische Wirtschaft in die Krise gestürzt.

Bereits im August 2025 hatte der von Trump eingesetzte Zeldin die Vorschriften für AdBlue-Systeme geschliffen: Fahrzeuge, Traktoren und Baumaschinen sollen bei AdBlue-Mangel nicht mehr so schnell ins Notlaufprogramm schalten wie bisher- und das Notlaufprogramm selbst soll auch nicht mehr so massiv in die Motorsteuerung eingreifen. 727 Millionen US-Dollar will man den Harnstoff-geplagten Firmen dadurch ersparen.

Jetzt legt Zeldin, dessen Vita ihn nicht gerade als Umweltexperten ausweist, noch eine Schippe drauf: Die EPA fordert detaillierte Daten zu den Systemausfällen von den großen Motorenherstellern. Insbesondere Daten zu Gewährleistungsansprüchen, Ausfallraten und Reparaturinformationen der AdBlue-Systeme aus den Jahren 2016, 2019 und 2023 fordert die Behörde ein. Gerade einmal 30 Tage Zeit haben die Hersteller dafür, sonst drohen Strafen. Und man will die Hersteller für die anhaltenden Systemausfälle zur Verantwortung zu ziehen. Das könnte US-typisch teuer werden.

Ein Satz der EPA lässt besonders aufhorchen: „Es wird derzeit gründlich geprüft, ob Leistungsreduzierungen für die Einhaltung der Vorschriften möglicherweise nicht mehr erforderlich sind.“ Im Prinzip bedeutet das Folgendes: Wenn der AdBlue-Tank leer ist, passiert einfach gar nichts. Die Bauern, Trucker und Buslenker fahren dann einfach weiter – ohne AdBlue, aber dafür mit hohem Stickoxid-Ausstoß. Das wäre ein weiterer Schritt, um den Gesundheits- und Umweltschutz in den Vereinigten Staaten zu demontieren.

Fazit:
Die EPA schleift die Umweltauflagen nochmals, nimmt diesmal aber auch die Motorenhersteller ins Visier. Das Bild, das die Behörde von der AdBlue-Situation zeichnet, verwundert: Es klingt so, als seien die Systeme zur Abgasnachbehandlung mittels Harnstoff fehleranfällig. Wenn das System in den Notlauf schaltet, ist das jedoch kein Fehler, sondern aus Umweltschutzgründen genau so gewollt. Eine durch Zahlen belegte Differenzierung der beiden Szenarien fehlt in der EPA-Meldung.

Auszuschließen sind „echte“ Systemfehler nicht und die Anforderung von Daten für drei explizit genannte Baujahre spricht sogar dafür. In diesem Fall stellt sich die Frage, warum das ein exklusives US-Problem zu sein scheint. In Deutschland hört man jedenfalls nichts von gehäuft auftretenden AdBlue-Ausfällen bei LKW oder Land-/Baumaschinen.

Schreibe einen Kommentar