Motoröl-Additive sind öllösliche Zusatzstoffe, die den Grundölen beigemengt werden, um deren Eigenschaften zu verbessern. Additive verändern die chemischen oder physikalischen Eigenschaften des Grundöls. Jeder Motoröl-Hersteller mischt seinem Öl Additive bei, die aber nicht mit den „Wundermitteln“ zu verwechseln sind, die sich teilweise im Zubehörhandel finden.
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Vertrauen Sie besser den Experten
Auf dem freien Markt sind zwar allerlei Ölzusätze (Additive) erhältlich, die allerdings nicht mit den Additiven, die die Motoröl-Hersteller den Motorölen beimischen, verwechselt werden dürfen. Die sogenannten Additiv-Pakete, die den mineralischen oder synthetischen Grundölen bei der Herstellung beigemischt werden, sind von Experten genau auf die jeweilige Anwendung abgestimmt.
Anders verhält es sich mit den angebotenen „Wundermitteln“, die man zusätzlich ins Motoröl schütten soll: Niemand kann genau sagen, welche Wirkung so ein Zusatz im Zusammenspiel mit dem vorhandenen Motoröl entfaltet. Im schlimmsten Fall kann die Verwendung eines Ölzusatzes zum Motorschaden führen.
Für Interessierte hier eine Studie, die u.a. untersucht, wie sich Additive zur Reibkraftminderung (Friction Modifier) in Kombination verhalten: „Friction Modifier Additives, Synergies and Antagonisms„
Die Autohersteller raten ebenfalls dazu, auf Ölzusätze zu verzichten und weisen darauf hin, dass bei Verwendung dieser Stoffe die Gewährleistung oder Garantie erlöschen kann. Prinzipiell dürfen zwar Zusatzstoffe verwendet werden. Im (Motor-)Schadenfall wird jedoch geprüft, ob dieses Mittel an der Entstehung des Schadens beteiligt ist. Wenn das der Fall ist, übernimmt der Autohersteller im schlimmsten Fall keine Haftung für den Schaden und die Reparatur muss aus eigener Tasche bezahlt werden.

Das steckt in den original Additivpaketen eines Motoröls
Antioxidantien
Oxidation ist für viele Materialien ein großes Problem. Auch Motoröl oxidiert, besonders dann, wenn es hohen Temperaturen ausgesetzt ist und mit Sauerstoff in Berührung kommt. Katalysatoren (Beschleuniger) für die Oxidation des Motoröls sind metallischer Abrieb und saure Stoffe, die bei der Verbrennung im Motor entstehen.
Werden dem Motoröl Antioxidantien hinzugefügt, verlängert sich die Lebensdauer des Öls erheblich. Die Oxidation (Alterung) wird zwar nicht gestoppt, aber in erheblichem Maße verzögert. Antioxidantien setzen sich im wesentlichen aus drei verschiedenen Stoffen zusammen: Radikalfänger, Peroxidzersetzer und Passivatoren.
VI-Verbesserer (VI Improver)
Der Viskositätindex (VI) beschreibt, wie gut ein Motoröl bei verschiedenen Temperaturen seine Zähflüssigkeit (Viskosität) beibehält, also ob es im Winter genauso dünn- oder dickflüssig ist, wie im Sommer. VI-Verbesserer sind meist Polymere, die bei steigender Temperatur größer werden und damit den Temperaturbereich, in dem ein Motoröl seine Viskosität beibehält vergrößern. Sie machen das Motoröl also – entgegen anderslautender Mythen – nicht „dicker“, sondern verhindern, dass es bei höheren Temperaturen zu schnell „dünnflüssig“ wird, also seine Viskosität zu schnell abnimmt.
Das ist besonders wichtig für die im PKW-Bereich fast ausschließlich verwendeten Mehrbereichsöle. Additive, die den Viskositätsindex eines Motoröls besonders stark vergrößern, verlieren ihre positiven Eigenschaften unter Belastung allerdings besonders schnell. Das bedeutet, dass Mehrereichsöle, die einen besonders großen Bereich abdecken, schneller altern und dabei auch ihre Fähigkeit, einen großen Viskosität abzudichten, einbüßen.
Verschleißschutz-Zusätze (Anti Wear)
Wenn Metall auf Metall reibt, kommt es zu einem schnellen Materialverschleiß. Verschleißschutz-Additive wie das am häufigsten verwendete Zinc Dialkyl Dithiophosphate (ZDDP) sind in der Lage, auf den Metallflächen, die aneinander reiben, Schutzschichten aufzubauen. Schwefel und Phosphor sind dabei die entscheidenden chemischen Elemente.
Diese Schutzschicht, der sogenannte Tribofilm – bestehend aus Polyphosphaten und Metalloxiden – ist normalerweise fest. Unter erhöhtem Druck und hoher Temperatur (also bei laufendem Motor) wird sie jedoch gleitfähig, und verhindert so einen übermäßigen Materialverschleiß. Besonders wichtig ist der Verschleißschutz in der kalten Jahreszeit und beim Motorstart.
Das ZDDP-Dilemma
Zinkdialkyldithiophosphat (ZDDP) ist ein extrem starker Verschleißschutz, aber Gift für moderne Abgassysteme. Phosphor „vergiftet“ die katalytische Schicht, während Schwefelanteile unverbrennbare Asche bilden, die den Partikelfilter (DPF/OPF) dauerhaft verstopft. In modernen „Low-SAPS„-Ölen ist der daher der Anteil dieser Additive massiv reduziert. Man muss sich also zwischen Umwelt- und Motorschutz entscheiden.
Reibkraftminderer (Friction Modifier)
Additive, die die Reibungskräfte vermindern, heißen Friction Modifier. Sie wirken im Bereich der Mischreibung, also dem Übergang zwischen Festkörperreibung (Metall auf Metall) und Flüssigkeitsreibung (Metall-Öl-Metall). Mischreibung tritt dann auf, wenn sich der Motor in Bewegung setzt und ist besonders verschleißintensiv. Reibkraftminderer bilden auf der Metalloberfläche einen pelzartigen Film, damit nicht direkt Metall auf Metall reibt.
Korrosionsschutz-Zusätze
Bei der Korrosion reagiert ein Werkstoff auf seine Umgebung (chemisch oder elektrochemisch). Korrosionsschutz-Additive versuchen, das zu verhindern oder zu vermindern. Die bekannteste Art der Korrosion ist das Oxidieren von Metall – also das Rosten. Beim so genannten passiven Korrosionsschutz wird das Metall mit einer Schutzschicht überzogen, die feindlichen Stoffe, wie zum Beispiel Wasser abhalten soll.
Antischaum-Zusätze
Wenn Motoröl schäumt, kann es keinen schützenden Ölfilm auf den mechanische beanspruchten Teilen bilden. Deswegen versuchen die Motoröl-Hersteller die Schaumneigung des Öls mit ANtischaum-Additiven zu reduzieren. Die bekanntesten Antischaum-Mittel sind Silikone. Sie bewirken, dass weniger Luft und Gase im Motoröl eingeschlossen werden und diese auch schneller wieder aus dem Öl entweichen können.
Pourpoint-Verbesserer
Die Temperatur, bei der eine abkühlende Flüssigkeit gerade noch fließt, heißt Pourpoint. Unterhalb dieser Temperatur verfestigt sich die Flüssigkeit – das Motoröl „stockt“. Der Grund dafür sind die Paraffine, die im Motoröl vorhanden sind. Sie Kristallisieren bei niedrigen Temperaturen. Additive können die Pourpoint-Temperatur absenken, das heißt, das Motoröl bleibt auch bei niedrigeren Temperaturen flüssig.
Dispersanten
Damit Schmutz im Motoröl sich nicht ablagern kann, wird er von den sogenannten Dispersanten eingehüllt. Auf dieser Weise werden die feinen Schmutzteilchen in der Schwebe gehalten und können sich nicht Zusammenklumpen. Dies kann auf verschiedene Arten realisiert werden. Bei der sogenannten Peptisierung werden feste Schmutzteilchen wie beispielsweise Staub oder andere Stoffe, die bei der Verbrennung entstehen, umhüllt. Im Gegensatz dazu bezeichnet man die Bindung von flüssigen Schmutzstoffen im Öl als Solubilisierung.
Detergentien
Die Detergentien sollen den Motor sauber halten. Sie sind waschaktiv, das heißt, sie können Schmutz „aufnehmen“. Detergentien sollen die Bildung von Ablagerungen an Bauteilen, die hohen Temperaturen ausgesetzt, vermeiden. Zudem sollen sie saure Stoffe, die bei der Verbrennung entstehen, neutralisieren.
Die Big Four beherrschen den Additiv-Markt
Wer mischt wirklich?
Kaum ein Ölhersteller entwickelt Additive komplett selbst. Der Markt wird von vier Global Playern dominiert: Lubrizol, Infineum, Oronite und Afton. Diese liefern die fertigen „Additiv-Pakete“, die von Marken wie Castrol oder Liqui Moly mit speziellen Grundölen gemischt werden. Das Endprodukt ist das Motoröl.
The Lubrizol Corporation
Lubrizol ist der unangefochtene Branchenprimus und Erfinder vieler Additiv-Technologien. Das Unternehmen genießt in der Schmierstoffwelt einen geradezu legendären Ruf und wurde 2011 von Warren Buffetts Holding Berkshire Hathaway gekauft.
- Hauptsitz: Wickliffe, Ohio (USA)
- Umsatz: ca. 6,4 Milliarden USD (Stand 2023)
- Größe/Mitarbeiter: ca. 8.500 Mitarbeiter weltweit
- Hintergrund: Lubrizol stellt nicht nur Additive für Pkw- und Lkw-Motoren her, sondern ist auch extrem stark im Bereich Industrieöle, Getriebeöle und Kraftstoffadditive. Wenn ein neues Motoröl auf den Markt kommt, stammt das Leistungspaket in sehr vielen Fällen aus den Laboren von Lubrizol.
Infineum
Infineum ist ein massiver Player mit einem hochinteressanten Hintergrund: Das Unternehmen ist ein Joint Venture, das 1999 zu jeweils 50 Prozent von ExxonMobil und Shell gegründet wurde. Die beiden Mineralöl-Giganten haben damals ihre gesamte Additiv-Entwicklung zusammengelegt.
- Hauptsitz: Milton Hill, Abingdon (Großbritannien)
- Umsatz: ca. 2,5 bis 3 Milliarden USD (geschätzt; als Joint Venture werden die genauen weltweiten Zahlen oft in den Bilanzen der Mutterkonzerne konsolidiert)
- Größe/Mitarbeiter: ca. 2.000 Mitarbeiter weltweit
- Hintergrund: Infineum profitiert enorm vom direkten Zugang zur Basisöl-Produktion und Forschung von Shell und ExxonMobil. Sie sind extrem stark in der Entwicklung von Additiven für Pkw-Motorenöle (PCMO) und Schwerlast-Dieselmotoren.
Afton Chemical
Afton Chemical ist die operative Haupttochter der börsennotierten NewMarket Corporation. Das Unternehmen ist bekannt für sehr maßgeschneiderte Lösungen und enge Partnerschaften mit Ölherstellern.
- Hauptsitz: Richmond, Virginia (USA)
- Umsatz: ca. 2,7 Milliarden USD (Umsatz der NewMarket Corp. für 2023, der fast vollständig von Afton generiert wird)
- Größe/Mitarbeiter: ca. 2.000 Mitarbeiter weltweit
- Hintergrund: Neben klassischen Motoröl-Additiven ist Afton Chemical ein absoluter Spezialist für Driveline-Additive (also für Automatik- und Schaltgetriebe) und hat eine sehr starke Präsenz auf dem asiatischen Markt aufgebaut.
Chevron Oronite
Wie der Name schon sagt, ist Oronite eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des US-Ölgiganten Chevron.
- Hauptsitz: San Ramon, Kalifornien (USA)
- Umsatz: ca. 2,5 bis 3 Milliarden USD (geschätzt; die Zahlen werden innerhalb der gigantischen „Downstream“-Sparte von Chevron nicht separat ausgewiesen)
- Größe/Mitarbeiter: ca. 2.000 Mitarbeiter weltweit
- Hintergrund: Oronite ist historisch extrem stark bei Additiven für hochbelastete Dieselmotoren in LKW, Schiffsdiesel und Traktoren, baut aber auch hervorragende Pkw-Pakete. Ein großer Vorteil von Oronite ist die vertikale Integration: Chevron gehört zu den weltgrößten Herstellern von hochwertigen Gruppe-II- und Gruppe-III-Basisölen, Oronite liefert die passenden Additive dazu.
Fazit: Warum Wundermittel meistens keine sind
Wenn man sich ansieht, dass diese vier globalen Milliarden-Konzerne riesige Forschungszentren betreiben und Jahrzehnte brauchen, um ein Additiv-Paket perfekt auf ein bestimmtes Grundöl abzustimmen, wird eines klar: Eine 15-Euro-Dose mit einem „Wunder-Zusatz“ aus dem Baumarkt wird diese komplexe Chemie in den seltensten Fällen verbessern. Im Gegenteil – sie bringt das sorgfältig ausbalancierte System meist nur durcheinander. Vertrauen Sie daher auf das fertige Motoröl.

