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Suzuki Jimny: Warum die große Fan-Liebe plötzlich vor Gericht endet

// Kommentar //

Ein Lehrstück über Autos, die EU und die Sehnsucht nach einem ehrlichen Stück Blech.

Stell dir vor, du besitzt eine Gelddruckmaschine und schaltest sie ab, weil dir das Rattern der Zahnräder zu laut ist. Klingt absurd? Willkommen in der Welt von Suzuki Deutschland. 

Während andere Automobilhersteller Millionen in Marketingkampagnen versenken, um auch nur einen Hauch von Emotion zu “erzeugen”, hat der Suzuki Jimny das beinahe Unmögliche geschafft: Er ist ein moderner Klassiker, ein Liebhaberstück mit Warteliste, das charmant-eckige Gesicht einer ganzen Fangemeinde.

Doch statt diesen Erfolg am Laufen zu halten und zu befeuern, agiert Suzuki wie ein Türsteher, der die eigenen Partygäste rausschmeißt. Das angestrebte Importverbot gegen freie Händler ist der traurige Höhepunkt einer Strategie, über die man nur verwundert den Kopf schütteln kann.

Das Phänomen Jimny: Ein Auto, das kaum einer braucht, aber jeder will

Warum der Jimny so beliebt ist, hat zwei Gründe. Einen praktischen und einen psychologischen. Zunächst einmal ist das kleine, allradgetriebene SUV ein ideales Arbeitstier für Menschen, die sich berufsbedingt oder für ihr Hobby vermehrt im Wald aufhalten: Jäger, Förster und Forstarbeiter.

Status ist für sie nicht so wichtig wie Zuverlässigkeit, 4×4 mit Untersetzung und ausreichend Bodenfreiheit auf kompaktem Raum. Zwar wurde hin und wieder auch schon eine G-Klasse im Grünen gesichtet –  weit häufiger trifft man bei den Profis aber einen Lada Niva, besagten Jimny oder seinen Vorgänger SJ , vielleicht noch einen Defender.

Und dann ist da noch die Gruppe der Spontanverliebten. Sie wollen unbedingt einen Jimny, obwohl ihre Niveagepflegten Hände noch nie eine Kettensäge berührten. Sie sehnen sich nach einem Auto, das sich weder sportlich noch komfortabel bewegen lässt. Ein Fahrzeug, das im Vergleich zu einem ID4 oder Cupra Leon nicht nur maximal untermotorisiert, sondern geradezu anachronistisch wirkt.

Und wahrscheinlich wollen diese Menschen ihn genau deswegen. Der Jimny ist Auto pur, er ist spartanisch, er ist ehrlich. Ein Leuchtturm der Klarheit, der sich mit seinen zwei Starrachsen gegen eine immer schneller drehende Welt stemmt. 

Die CO2-Falle: Wenn Bürokratie den Fahrspaß killt

Doch leider ist jetzt Schluss, kein Jimny mehr – Suzuki hat den Stecker gezogen. Also nicht überall, aber in der EU. Denn die verlangt neben neuen Fahrzeugsicherheitssystemen sehr viel Geld für importierte Autos, die zu viel CO2 ausstoßen – und das tut der Jimny mit seinen 173 Gramm pro Kilometer.

Suzuki kann sich den Flottenverbrauch auch nicht schönrechnen, so wie das andere Hersteller tun – wenn sie gleichzeitig nur genug E-Autos verkaufen. Um das Problem zu lösen hätte Suzuki dem begehrten Jimny einen kleineren und umweltfreundlicheren Motor spendieren können – doch dafür fehlte den Japanern offensichtlich der Mut, wie Florian Pillau bei Heise sehr treffend schreibt.

Übergangsweise griff Suzuki im Jahr 2021 in die Trickkiste: Man verzichtete auf die Rücksitze und baute ein Trenngitter Richtung Kofferraum ein, um den Jimny als Nutzfahrzeug N1 deklarieren zu können. Damit wurden seine hohen CO2-Werte nicht mehr der PKW-Flotte zugerechnet.

Das traurige Finale war dennoch bald erreicht: Mit dem nur in Frankreich erhältlichen Sondermodell Horizon “feierte” man 2025 nicht nur den 55. Geburtstag des beliebten Geländewagens, sondern zeitgleich auch seine Beerdigung.

Der Affront gegen die Fans: Klagen statt Liefern

Für die Käufer blieb nur der Gebrauchtmarkt und dort schossen die Preise schnell in absurde Höhen. Findige Importeure begannen deswegen bald, den Jimny nach Deutschland zu holen. Auch der in Indien gebaute Fünftürer tummelt sich inzwischen auf den Onlinebörsen. Diese sogenannten Grauimporte sind den Japanern jedoch ein Dorn im Auge.

Die deutsche Suzuki-Tochter zog vors Münchner Landgericht I und versuchte, die Importeure auf dem Klageweg zu stoppen – wegen Markenrechtsverletzungen. Das klappte zunächst nicht, da ein Brief des Konzernchefs Toshihiro Suzuki zu spät bei Gericht einging. Die Richterin ließ aber durchblicken, dass sie die Importe für unzulässig halte, so auto-motor-und sport. Ob Suzuki einen zweiten Anlauf für ein gerichtliches Importverbot nimmt, bleibt abzuwarten.

Für die Fans des kantigen SUV muss sich das anhören wie: „Wir wollen euer Geld nicht – und wir wollen nicht, dass ihr das Auto woanders bekommt.“ Eine absurde Situation in einer Zeit, in der andere Hersteller mit Absatzproblemen und schwindenden Margen kämpfen.

Das wirtschaftliche Paradoxon

Das alles muss man nicht verstehen und vielleicht kann man es auch gar nicht. Eben noch präsentiert Suzuki stolz die von der Autopresse verliehenen Preise: “Best Car 2022”, “Allrad-Auto des Jahres”, Sieger “Best Cars Award” und lässt jetzt die zahlungswillige Kundschaft ins Leere laufen.

Preisverleihung: Der Suzuki Jimny gewinnt den Best Cars Award 2023
2023 war die Jimny-Welt noch in Ordnung: Das Kompakt-SUV belegt gewinnt den „Best- Cars“-Award.
Bild: Suzuki Deutschland GmbH

Aus Marketingsicht erschließt sich die Strategie dahinter jedenfalls nicht. Soll das etwa künstliche Verknappung sein? Man wäre nicht der erste Hersteller, der auf dieses Pferd setzt. Dann müsste aber die Kommunikation zu den Kunden anders aussehen. Was bleibt, ist ein großes Fragezeichen. 

Ein Sieg der Paragraphen über die Leidenschaft

Attestieren kann man Folgendes: Die EU-Vorschriften haben gesiegt, Suzuki war nicht Willens oder in der Lage, dem begehrten Jimny einen EU-freundlicheren Motor zu verpassen und die Fans schauen sich auf dem grauen Markt um – oder eben in die Röhre.

Mein Appell an Suzuki lautet deshalb:

Bringt uns den Jimny zurück! Gerne als E-Jimny oder meinetwegen auch als Hybrid. Ihr habt etwas, nach dem sich andere Hersteller die Finger lecken: Ein begehrtes Modell mit hohem Identifikationswert. Der kleine Allradwagen hat gezeigt, dass ein Auto in Deutschland funktionieren kann, das keine 200+ PS, aggressives Design und Entertainment-Blingbling mitbringt – quasi ein Anti-Cupra.

Denkt bitte an eure Fans und noch einmal nach, denn wenn der Kampf gegen den eigenen Erfolg gewonnen wird, verliert am Ende immer die Marke.


FAQ

Wie sieht der Gebrauchtmarkt für den Jimny aus?
Das Angebot an Gebrauchten ist knapp und die Preise sind hoch. Aktuell (02/2025) sind von der GJ-Version, die seit 2018 gebaut wurde, bei mobile.de gerade mal 264 Stück verfügbar – inklusive(!) der Grauimporte. Die Preise liegen zwischen 25.000 Euro und knapp 40.000 Euro.

Was passiert, wenn ich einen grau importierten Jimny kaufe?
Laut auto-motor-sport.de will Suzuki nicht gegen private Käufer vorgehen, die sich einen grau importierten Jimny gekauft haben.

Warum verkauft Suzuki den Jimny in Deutschland nicht mehr?
Dafür sind laut Hersteller die europäischen Vorgaben zu Emissionen und Sicherheit verantwortlich. Die hohen CO2-Werte des Jimny belasten die Flottenbilanz und er erfülle weder aktuelle Abgasnormen noch die neuen GSR-Vorschriften (u.a. Notbremsassistent, Tempowarnung, erweiterter Fußgängerschutz)

Welchen Youtube-Kanal kannst du für Jimny-Fans empfehlen?
Klare Antwort: BigJimny (Englisch)

Wo finde ich gute Jimny-Foren?
https://www.suzuki-jimny.info/forum (Deutsch)
– https://www.bigjimny.com/forum (Englisch)

Aufmacherbild: Eugene Chystiakov

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