Hoher Ölverbrauch: Ursachen & Hilfe

Autos mit Verbrennungsmotor verbrauchen im Betrieb Motoröl. Das ist ganz normal. Problematisch ist allerdings ein zu hoher Ölverbrauch. Nicht nur wegen der unnötigen Kosten für das Motoröl sowie der Umweltbelastung, sondern weil die Gründe für den erhöhten Ölverbrauch vielfältig sein können: vom normalen Verschleiß bis hin zu ernsthaften technischen Problemen. Wir beschreiben die häufigsten Gründe für erhöhten Ölverbrauch und zeigen Lösungen auf.

Übrigens:
Ölverbrauch sollte nicht mit Ölverlust verwechselt werden. Von Ölverlust spricht man dann, wenn Motoröl oder Getriebeöl austritt und sich z.B. als Öllache unter dem Fahrzeug bemerkbar macht.

„Normale“ Ursachen des Ölverbrauchs

  • Manche Motoren verbrauchen aufgrund Ihrer Konstruktionsweise und der Fertigungstoleranzen mehr Motoröl. Und zwar bereits ab dem ersten Tag. Die Hersteller machen dazu leider keine allzu genauen Angaben.
    Im Gegenteil: In der Betriebsanleitung ist häufiger zu lesen, dass der Motorölverbrauch bis zu einem Liter pro 1000 Kilometer betragen könne – selbst wenn das selten der Realität entspricht. Mit diesem Hinweis können sich die Autohersteller aber mögliche Gewährleistungsansprüche aufgrund des Ölverbrauchs vom Leib halten.
  • Die Fahrweise hat ebenfalls Einfluss auf den Ölverbrauch: Je sportlicher die Fahrweise (bis in hohe Drehzahlregionen), desto höher kann der Ölverbrauch sein. Aufgrund des höheren Drucks kann mehr Öl an den Dichtungen vorbei in den Brennraum gelangen (z.B. als Blowby-Gase ), wo es mitverbrannt wird.
  • Je schlechter der Zustand der Dichtungen (dazu zählen auch die Kolbenringe), desto höher der Ölverbrauch, da auch hier mehr Öl in den Brennraum gelangen kann.
  • Steigt die Motortemperatur, nimmt die Viskosität des Motoröls ab – es wird (umgangssprachlich) „dünner“. Wird es aufgrund besonders hoher Motortemperaturen besonders dünn, gelang wiederum mehr Motoröl in den Brennraum (s.o).
  • Bei Verwendung von Motoröl mit zu geringer Viskosität (niedriger als die Herstellerspezifikation) kann der Ölverbrauch ebenfalls steigen.
    Dies gilt auch beim Einsatz von Motorölen, die zwar die korrekte SAE-Viskosität aber eine abgesenkte HTHS-Viskosität haben und das vom Fahrzeughersteller für das betreffende Auto nicht vorgesehen ist.
  • Qualitativ schlechtes Motoröl mit einem hohen Verdampfungsverlust. Wer nicht gerade ungewöhnlich billiges Motoröl aus möglicherweise dubiosen Quellen kauft, dürfte damit eher keine Probleme haben.

Ölverbrauch aufgrund technischer Probleme

  • Haben die Gleitlager in einem oder mehreren Turboladern zu viel Spiel, dichten sie das Laufrad nicht mehr sauber ab. Durch den starken Luftstrom wird Motoröl angesaugt und mitverbrannt.
  • Zu hohe Temperaturen in den Ölrücklaufleitungen am Turbo können zu Ölverkokung (der verlinkte Artikel beschäftigt sich mit Turbotriebwerken in der Luftfahrt und ist für technisch Interessierte auf jeden Fall lesenswert) und damit zu verstopften Leitungen führen. Das Motoröl läuft dann nicht mehr leicht genug in die Ölwanne zurück und kann durch den hohen Druck an den Laufradlagern vorbei in den Ansaugtrakt gelangen, wodurch es mitverbrannt wird.

    Gründe für zu hohe Temperaturen im Turbobereich können falsche verlegte und/oder schlecht isolierte Rücklaufleitungen, fehlende oder schlecht platzierte Isolierbleche sowie eine grundsätzlich zu hohe Öltemperatur (der auf den Grund gegangen werden sollte) sein.Profi-Tipp: Turbomotoren (vor allem Diesel) freuen sich ungemein, wenn man den Motor nach schneller (Autobahn-)Fahrt nicht sofort am nächsten Rastplatz abstellt. Denn so hat er die Chance, die starke Hitze am Turbolader abzuführen. Am besten also die letzten Kilometer vor dem Stop den Fuß vom Gas nehmen. (Die umweltpolitisch unkorrekte Variante wäre, den Motor im Stand noch ein bis zwei Minuten laufen zu lassen.

  • Relevant für ältere Diesel: Verschleiß an der Reiheneinspritzpumpe. Motoröl kann bei der Pumpbewegung in den Arbeitsraum gelangen und wird anschließend zusammen mit dem Diesel verbrannt.
  • Undichter Ansaugtrakt: Die zur Verbennung notwendige Luft hat einen langen Weg bis zu den Zylindern. Viele Schläuche, Verbindungselemente und Dichtungen liegen auf diesem Weg. Gibt es auf hier undichte Stellen, gelangt ungefilterte, schmutzige Luft in den Verbrennungsraum. Der enthaltene Schmutz sorgt im Zylinder für eine Mischreibung und dadurch zu erhöhtem Verschleiß an Zylinder, Kolben und Kolbenringen – der Ölverbrauch steigt.Profi-Tipp: Ungenügende Filtration durch verschmutzte, defekte, unpassende oder gar fehlende Luftfilter hat das gleiche Ergebnis. Wer am Luftfilter spart, spart am falschen Ende.
  • Verschleis an den Ventilschaftdichtungen und -führungen: Die Ventilschaftdichtungen sollen verhindern, dass Öl in die Ventilführung kommt. Funktioniert diese Abdichtung nicht mehr gut genug,  gelangt in den Ansaug- bzw. Abgastrakt.Profi-Tipp: Wer sowieso eien Motorrevision durchführen lässt, sollte darauf achten, dass auch die Ventilschaftabdichtungen erneuert werden.
  • Montagefehler am Zylinderkopf: Wurde bei Reparaturmaßnahmen der Zylinderkopf demontiert und bei der Montage danach nicht korrekt angezogen ( Drehmoment & Reihenfolge der Zylinderkopfschrauben) , kann es zum Bauteilverzug kommen. So können Undichtigkeiten zwischen Verbrennungsraum und Ölkreislauf entstehen. Ohne äußerlich erkennbaren Verlust an der Zylinderkopfdichtung gelangt das Öl in den Verbrennungsraum und wird verbrannt.
    Profi-Tipp: Reperaturen am Zylinderkopf am besten von guten Motoreninstandsetzern durchführen lassen :) Diese können auch einen möglichen Materialverzug erkennen, der ebenfalls zu erhöhtem Ölverbrauch führen kann.
  • Zu hoher Druck im Motorgehäuse: Bei der Verbrennung entstehen im Zylinder Blow-by-Gase (siehe oben: Fahrweise). Zu hoher Verschleiß an Kolben, Kolbenringen und Ventilen kann dazu führen, dass das Motoröl in hohem Maße durch die Dichtungen gedrückt und mitverbrannt wird.
    Ebenfalls problematisch ist eine defekte Kurbelgehäuseentlüftung, die dazu führen kann, dass der normale Ölnebel im Kurbelgehäuse in den Ansuagtrakt gelangt und dort mitverbrannt wird (siehe auch nächster Punkt).
  •  Bei zu hohem Motorölstand schlägt die Kurbelwelle direkt im Öl und produziert Ölnebel. Bei zu altem oder zu verschmutztem Motoröl kann sich zudem Ölschaum bilden. Ölnebel und Ölschaum können mit den Blow-by-Gasen aufsteigen und über die Motorentlüftung in den Ansaugtrakt und anschließend in den Zylinder gelangen, wo sie mitverbrannt werden. Selbst gut konstruierte Ölabscheidesysteme können durch den Ölschaum wirkungslos werden. Profi-Tipp: Regelmäßig Ölstand messen.
  • Bleibt aufgrund von zu fettem Benzin-Gemisch, einem defekten Trubolader oder einem falschen Zündzeitpunkt Benzin im Brennraum zurück, zerstört das den Schmierfilm an der Zylinderwand.  Zu hohe Reibung ist die Folge wodurch Kolben, Kolbenringe und Zylinderlaufbahnen verschleißen. Auch Dieselmotoren sind davor nicht gefeit: Defekte am Turbolader oder der Einspritzanlage(Düsen/Pumpe) können einen ähnlichen Effekt erzeugen.

Ölverbrauch durch falsches, zu altes oder verschmutztes Öl

  • Werden die vorgeschriebenen Serviceintervalle des Herstellers nicht eingehalten und hinausgezögert, läuft der Motor mit altem, schmutzigem Öl, das nicht mehr so leistungsfähig ist wie frisches Öl. Die Schmierwirkung nimmt ab, dadurch steigt der Materialverschleiß und das kann einige der oben beschriebenen Probleme nach sich ziehen.
  • Falsche oder minderwertige Motoröle können den Verschleiß im Motor enorm beschleunigen – gerade in Extremsituation wie beim Kaltsart im Winter oder bei extrem hohen Außen- und Motortemperaturen. Beachten Sie deswegen die Herstellervorgaben für das Motoröl.
    Dazu gehören die:

  • Wichtiger als der Preis sind die richtigen Spezifikationen beim Motoröl. Gerade mit der Einführung der neuen 0W20-Öle (wie z.B. VW 50800/50900) für ausgewählte moderne Motoren ist Vorsicht angebracht: Diese Öle können in älteren, ungeeigneten Fahrzeugen gravierende Motorschäden verursachen.
    Greifen Sie also nicht einfach ins Regal, sondern prüfen Sie zuerst, welches Öl für Ihr Auto geeignet ist.

 

 

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Artikel bookmarken. Stefan Heindl

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